Interview der Klasse 4b

Die Klasse 4b interviewt Manuela Götz

Die Tierpflegerin Manuela Götz wohnt in Weiler in den Bergen und pflegt seit 5 Jahren kranke Wildtiere, um sie später wieder in die Freiheit zu entlassen. Nach der Pflege und Auswilderung des Hasen „Billy“ beantwortet sie im Klassenzimmer der Klasse 4b die Fragen der Kinder.

Nele Söllner: War es richtig, den kleinen Hasen aufzunehmen?
Manuela Götz: Wenn Feldhasen ein Baby bekommen, legen sie es ab, die Mutter kommt nur zweimal am Tag, um es zu füttern. Normalerweise kommt die Hasenmama wieder. Doch Billy war schon sehr mager, so war es richtig das kleine Häschen aufzunehmen.
Pia Greiner: Wie geht es dem anderen Häschen und der kleinen Amsel, die sie gerade pflegen?
Manuela Götz: Auch der andere Hase und die Amsel haben zugenommen. „Wie die kleine Amsel frisst, kann ich euch nachher zeigen!“ Sie deutet auf den mitgebrachten Käfig, aus dem es immer wieder piept. „Wenn man Vögel pflegen will“, berichtet Frau Götz weiter, „muss man wissen, welcher Vogel dies ist, weil die Vögel unterschiedliches Futter benötigen. Es gibt Körnerfresser und Weichfutterfresser. So ein kleiner Darm verträgt noch nicht alles, sonst gibt es Verdauungsprobleme.
Amilie Blum: Woher wissen Sie, was die Tiere fressen?
Manuela Götz: Ich habe Futterpläne, vieles weiß ich aus Erfahrung, manchmal schaue ich auch im Internet nach.
Felicitas Hahn: Felicitas berichtet von einem Igel, der sich im Netz im Garten verfangen hat.
Manuela Götz: Bei Igeln ist es wichtig, keine Milch zu geben, die vertragen sie nicht, daran können sie sterben! Igel sollten nur Wasser trinken. Für ganz kleine Igel gibt es Aufzuchtmilch, das ist keine Kuhmilch. Igel solle man bei Verletzungen in die Igelstation bringen.
Felicitas Hahn: Feli will weiter wissen: Haben Tiere schon mal Nachwuchs bei Ihnen bekommen?
Manuela Götz: Ja, eine Nachbarin hat einen Igel gefunden. Er lag zwei Tage lang bei mir nur auf dem Bauch, dann hat er sieben Babies bekommen mit weichen noch biegsamen Stacheln.
Mishael Mirbahaeddin: Haben Sie auch ein Lieblingstier?
Manuela Götz: Ja, Eichhörnchen!
Jenny Streise: Wie viele Tiere haben Sie insgesamt schon gepflegt?
Manuela Götz: Etwa 500 Tiere.
Jenny Streise: Wie viel Geld kostet Sie das?
Manuela Götz: Ich finanziere alles selber, manchmal erhalte ich Spendengelder.
Jenny Streise: Wie verdienen Sie dann Ihr Geld?
Manuela Götz: Ich arbeite auf dem Landratsamt.
Jenny Streise: Hatten Sie auch schon Raubtiere?
Manuela Götz: Ja, einen Waschbär und einen Fuchs.
Vivian Zhao: Wie oft müssen die Vögel fressen?
Manuela Götz: Manchmal jede Stunde. Oft muss ich den Mund öffnen und sie mit der Spritze füttern.
Janne Albiez: Ist das nicht stressig?
Manuela Götz: Ja, schon oft. Aber ich mache es ja freiwillig!
Romy Siekmann: Ist schon einmal ein Tier gestorben?
Manuela Götz: Auch das kommt leider vor.
Ghuana Köllges: Wie viele Tiere pflegten Sie schon gleichzeitig?
Manuela Götz: Einmal hatte ich 4 Falken, 2 Krähen, 2 kleine Eichhörnchen, 2 Spatzen und 2 Feldhasen.
Sudenaz Gökce: Warum arbeiten Sie als Tierpflegerin?
Manuela Götz: Mein Vater war Jäger und meine Mutter hat auch Tiere gepflegt. So hatte ich schon früh Kontakt zu Tieren. Dann hat meine Tochter aus dem Kindergarten ein kleines Vögelchen mitgebracht, das habe ich gesund gepflegt. So hat es bei mir angefangen.
Lina Maier: War es schwer unseren Hasen „Billy“ aufzuziehen?
Manuela Götz: Eigentlich sind Feldhasen am schwierigsten aufzuziehen. Aber Billy hat leicht und gut gefressen, so dass er schnell gewachsen ist. Deshalb konnten wir ihn auch schon früher als geplant in die Freiheit entlassen.

Gespannt warten alle Schüler auf die Fütterung der kleinen Amsel.
Diese kleine Amsel wurde mir gebracht, nachdem sie aus dem Nest gefallen ist. Die Amselmutter kann ihr Junges nicht mehr selber ins Nest holen. Eichhörnchen und Siebenschläfer tragen ihre Jungen wieder ins Nest. Manche Babies sind aber nicht ganz gesund, die Tiere spüren das. Die Eltern haben nicht die Kraft alle – auch kranke – Jungen aufzuziehen, dann wird es aus dem Nest geworfen.

Veselin Sarov: Kann die Amsel zahm werden?
Manuela Götz: Die Amsel ist kein Haustier. Sie ist bei mir zwei Wochen zur Pflege und muss lernen, selber zu fressen. Sie soll nicht zahm werden, erst wenn sie nicht mehr zur Pflegerin herfliegt, darf sie raus.

Vorsichtig öffnet Frau Götz den mitgebrachten Käfig. Gleich fliegt die kleine Amsel auf den Rand des Käfigs, bleibt sitzen und reißt sofort ihren Schnabel auf, als Frau Götz sie mit einer Pinzette füttert. Mucksmäuschenstill stehen die Kinder im Kreis um den Käfig herum und verfolgen gespannt das Schauspiel. Brav bleibt das Vögelchen sitzen und lässt sich bestimmt zehnmal hintereinander füttern. Als es den Schnabel nicht mehr öffnen will, gibt es als Leckerlis noch zwei Mehlwürmer – die gehen immer